Kolonialwarenladen von 1830
Energetische Sanierung eines Denkmals
mit Nebengebäuden
Renovierung Nachbarhaus
Abriß Werkstatt und Garage
Betreuung einer Diplomarbeit im Fachbereich Bauingenieurwesen FH Potsdam
Verformungsgerechtes Aufmaß mit 3D-Laserscanning
Planung Bauanträge Bauleitung
Werder (Havel) Historische Inselstadt
Denkmal Ensembleschutz Gestaltungssatzung
seit 2020
Nach 10 Jahren Leerstand haben wir dieses malerische Handwerkerhaus auf der Insel entdeckt, mit den Bauherren, örtlichen Handwerkern, Restauratoren und Fachplanern wiederbelebt und behutsam baulich und energetisch kernsaniert. Mehrere unbedeutende Nebengebäude wurden abgerissen, das Nachbarhaus ist ebenfalls renoviert und inzwischen über einen gemeinsamen Hofgarten miteinander verbunden.
Als wir das Haus zum ersten Mal betraten, wirkte es finster, die Decken niedrig, die Beleuchtung spärlich, die Fensterläden lange nicht geöffnet. Es war komplett eingerichtet, wirkte museal: Im Laden ein Eisschrank aus Stahl, Pappschilder mit bleistiftgeschriebenen Preisen hingen an zum Verkauf aufgestellten Küchenutensilien, Emaillietöpfe standen auf dem Herd der ehemaligen “schwarzen Küche”, eine Chaiselongue und dahinter Maiglöckchen-Tapete aus den 20er Jahren vor dem Kachelofen. Im Obergeschoss befanden sich vier kleine Schlaf- und Abstellkammern in den Abseiten und zwei Schlafzimmer, in die die alten Kleiderschränke nur passten, weil alle Füße abgesägt waren. Übervolle Wunderkammern. Zusätzlich ein Gewölbekeller, einer der ältesten der Insel.
Es brauchte Vorstellungskraft, zu erkennen, was hinter dem offensichtlich feuchten Fassadenputz letztendlich Lichtes und Helles werden konnte. Denkmalamt, Landesdenkmalamt, alle Restauratoren für Farbfassungen und Dendrochronologie waren begeistert. Demzufolge gab es viele Anträge – aber auch “offene Ohren” und etwas Förderung für eine neue Nutzung.
Das Erdgeschoss ist in seiner Raumfolge komplett erhalten. Einige zugemauerte Fenster- und Türöffnungen, das ehemalige Schaufenster wurden wiederhergestellt: Es ist jetzt hell und öffnet sich zum städtischen Vorgarten und rückseitig zum privaten Hofgarten. Das Obergeschoss hat sich hinter einem kleinen Vorraum zu einem einzigen lichten großzügigen, hohen Dachraum mit offenem Fachwerk verwandelt – mit Blick über die Mühle, das historische Rathaus, die Inselkirche, die Havel – durch ergänzte und bauzeitlich besser passend gestaltete Fenster.
Die nördliche Fassade hat einen historisch belegten und ortstypischen Schlingenputz wiedererhalten. Das Haus ist jetzt trocken und gedämmt. Der Dachstuhl besteht zum Teil aus Holzbalken, die von einem Vorgängerbau in Fachwerk hier wiederverwendet wurden – konnte gut erhalten werden. Das dendrochronologische Gutachten besagt, dass die Bäume dafür um 1620 gepflanzt wurden. Einige Balkenköpfe sind saniert worden, die Jahrhunderte lang der Witterung ausgesetzt waren. Der Gewölbekeller ist älter als das jetzige Haus.
Terrazzo und Dielenböden wurden aufgearbeitet und ergänzt, Innentüren – zum Teil mit barocken Beschlägen – wurden erhalten, vorhandene Fensterrahmen mit hochdämmendem Vakuumglas aufgewertet, Dichtungen eingezogen. Eine Sockelleistenheizung, Kalkputz und Holzweichfaserdämmung schaffen ein gutes Raumklima.
Das Haus ist wieder belebt und ist in seiner städtebaulich prägnanten Lage präsent.